Modul 13 · Vertiefung
Konfiguration vs. Standard-Bug
Was du danach weißt: Wie du erkennst ob ein Fehler im P&I Produkt steckt,
in der Kundenkonfiguration, in den Kundendaten oder bei der Eingabe durch den Anwender —
und warum das bestimmt, wer ihn lösen muss.
Erinnerung an Modul 04
In Modul 04 hast du gelernt: Regeln sind Daten.
SV-Sätze und KV-Mindestgehälter sind keine einprogrammierten Werte —
sie stehen in Konfigurationstabellen und werden jedes Jahr aktualisiert.
Dieses Modul geht einen Schritt weiter: nicht nur P&I konfiguriert Regeln.
Auch Kunden können Einstellungen vornehmen.
Und wenn ein Fehler auftritt, bestimmt die Frage „in welcher Schicht liegt das?"
direkt, wer ihn beheben kann.
Die drei Schichten
① Standard — das P&I Produkt
Fundament · gilt für alle Kunden gleich
Berechnungslogik, Aliquot-Formel, Ereignisketten, Datenbankstruktur
↓ Konfiguration baut darauf auf
② Konfiguration — kundenspezifische Einstellungen
Von P&I eingerichtet · unterschiedlich pro Kunde
Aktivierte KV-Gruppen, Meldewesen-Einstellungen, freigeschaltete Module, Fristen
↓ Kundendaten liegen obendrauf
③ Kundendaten — individuelle Mitarbeiterdaten
Vom Kunden selbst eingetragen · unterschiedlich pro Mitarbeiter
Stammdaten, Dienstverträge, Beschäftigungsausmaß, Eintrittsdaten
↓ Eingabe geschieht durch Menschen
④ Anwenderfehler — die Eingabe-Ebene
Falsch eingetippt · betrifft genau einen Mitarbeiter
Falscher KV ausgewählt, Beschäftigungsausmaß vertippt, Eintrittsdatum übersehen
Die Triage-Frage
Wenn ein Kunde ein Ticket einreicht, ist die erste QS-Frage:
Wie viele Kunden sind betroffen?
Das Muster des Symptoms zeigt dir, in welcher Schicht du suchen musst.
| Symptom |
Wahrscheinliche Schicht |
Zuständig |
| Alle Kunden betroffen |
Standard |
P&I Entwickler — Fehler in der Berechnungslogik |
| Ein Kunde betroffen, alle Mitarbeiter |
Konfiguration |
P&I Konfig-Team — kundenspezifische Einstellung prüfen |
| Ein Kunde, einzelne Mitarbeiter |
Kundendaten |
Kunde + P&I Support — Datensatz direkt prüfen |
| Tritt nur nach einem Update auf |
Standard |
P&I Entwickler — wahrscheinlich Regression (Modul 06) |
| Genau ein Mitarbeiter betroffen, alle anderen korrekt |
Anwenderfehler |
Rückfrage an den Benutzer — kein Bug, keine Eskalation an Entwickler |
Diese Unterscheidung ist keine Theorie — sie bestimmt konkret den nächsten Schritt.
Ein Entwickler zu kontaktieren wegen eines Kundendata-Problems kostet Zeit und löst nichts.
Das Ticket in die richtige Richtung zu schicken ist selbst eine QS-Leistung.
Kundendaten vs. Anwenderfehler — der Unterschied:
Kundendaten-Problem (dritte Schicht): Die falschen Daten kamen durch einen
Systemvorgang ins System — z.B. ein fehlerhafter Import, eine fehlerhafte Synchronisierung.
Der Benutzer hat nichts falsch gemacht.
Anwenderfehler: Ein Benutzer hat beim Eintippen einen Fehler gemacht —
falsches Geburtsdatum, falscher Kollektivvertrag, falsch übernommener Wert.
Das System hat korrekt funktioniert; die Eingabe war falsch.
Hier ist keine Eskalation nötig — eine Rückfrage an den Kunden reicht.
In deiner Arbeit bei P&I
Bevor du ein Ticket eskalierst, stelle dir vier Fragen:
Sind andere Kunden auch betroffen? Stimmt die Konfiguration für diesen Kunden?
Stimmen die Daten des betroffenen Mitarbeiters? Oder wurde der Wert von Hand falsch eingetragen?
Die Antworten führen dich zur richtigen Schicht — und zum richtigen Ansprechpartner.
Denke mal nach:
Welches Ticket aus deiner Arbeit bei P&I war schwierig zuzuordnen —
weil nicht klar war, in welcher Schicht das Problem liegt?
Was würdest du heute als erstes prüfen?