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Modul 04 · Grundlagen

Regeln als Daten

Was du danach weißt: Woher LogaHR weiß, welchen SV-Satz es verwenden soll — und warum eine falsch eingetragene Regel genauso still fehlschlägt wie ein falscher Datensatz.

Kurze Erinnerung an Modul 03

Du kennst jetzt die Entitäten: Mitarbeiter, Dienstvertrag, Abrechnungslauf, Abrechnung, Abzüge. Das System nimmt diese Datensätze und berechnet ein Netto. Aber etwas fehlt noch. Woher weiß die Software, wie hoch der SV-Beitrag gerade ist? Das steht nicht im Mitarbeiterdatensatz und nicht im Dienstvertrag. Diese Information muss ebenfalls irgendwo gespeichert sein.

Sie heißt Regelkonfiguration (englisch: business rules, oder kurz: config). Und sie funktioniert nach demselben Prinzip wie alle anderen Daten — mit einem entscheidenden Unterschied: sie ändert sich nicht monatlich, sondern jedes Jahr. Zum Jahreswechsel.

Die drei Zutaten einer Abrechnung

Wenn LogaHR das Netto für Frau Huber berechnet, braucht es drei Dinge gleichzeitig:

① Mitarbeiterdaten
Petra Huber
Brutto: 2.800 €
Ausmaß: 100 %
KV: Handel
+
② Regelkonfiguration
SV-Satz (AN): 18,12 %
KV Handel Mindest: 2.205 €
Lohnsteuertabelle: 2026
gültig ab 01.01.2026
Berechnungs-Engine liest beide Inputs, rechnet — fragt nicht, ob die Werte stimmen
Abrechnung Netto: 2.189,40 € · Mai 2026

Wenn einer dieser beiden Inputs falsch ist, ist das Ergebnis falsch — kein Fehler, keine Warnung. Mitarbeiterdaten kennst du schon. Jetzt geht es um die Regelkonfiguration.

Eine Regel sieht aus wie ein Datensatz

Regeln sind keine Sonderform. Sie sind Datensätze wie alle anderen — mit Feldern, Werten und Datentypen. Jede Regel hat zusätzlich einen Gültigkeitszeitraum (englisch: validity period): ab wann sie gilt, bis wann sie gilt. So kann das System jederzeit rekonstruieren, welcher Satz für einen vergangenen Monat korrekt war.

KV Handel — Mindestgehalt Gruppe A · business rule aktiv 2026
Betrag2.205,00 €
Gültig ab01.01.2026
Gültig bis31.12.2026
BereichKV Handel, alle Gruppen A

Jedes Jahr kommt eine neue Version dazu. Die alte bleibt im System — vergangene Lohnzettel müssen rekonstruierbar bleiben, das Prinzip kennst du aus Modul 03. Zum Jänner ändert sich vieles gleichzeitig: SV-Sätze, Lohnsteuertabellen, KV-Mindestgehälter, Höchstbeitragsgrundlagen. Das Konfigurations-Team trägt die neuen Werte ein und setzt die Gültigkeitsdaten. Das ist keine Programmierarbeit — es ist Datenpflege.

Der stille Fehler bei Regelkonfiguration

Und damit entsteht dieselbe Risikozone wie bei Mitarbeiterdaten: wenn die Eingabe falsch ist, rechnet die Engine weiter. Ohne Alarm.

KV Handel — Gruppe A korrekt
Betrag2.205,00 €
Gültig ab01.01.2026
Gültig bis31.12.2026
KV Handel — Gruppe A falsches Datum
Betrag2.205,00 €
Gültig ab01.04.2026 ✗
Gültig bis31.12.2026
Was passiert: Die Erhöhung ist eingetragen — aber das Gültig-ab-Datum ist falsch. Für Jänner, Februar und März gilt laut System noch der alte Satz (2.100 €). Ein Mitarbeiter der Gruppe A mit 2.100 € Brutto bekommt drei Monate lang das KV-Mindestgehalt unterschritten. Kein Systemfehler, keine Warnung. Erst wenn ein Kunde nachfragt oder ein Prüfer die Lohnzettel vergleicht, fällt es auf — rückwirkend für drei Monate.

In deiner Arbeit bei P&I

Wenn Kunden nach einem Jahreswechsel falsche Abrechnungen melden, ist die häufigste Ursache kein Berechnungsfehler — sondern eine fehlende oder falsch eingetragene Regelaktualisierung.

Frage Was prüfen Beispiel
Ist die neue Regel überhaupt vorhanden? Regelkonfiguration KV-Erhöhung fehlt vollständig im System
Stimmt das Gültig-ab-Datum? Validity period 01.04. statt 01.01. eingetragen
Gilt die Regel für alle betroffenen Bereiche? Geltungsbereich Gruppe A eingetragen, Gruppe B vergessen
Alles stimmt, Ergebnis trotzdem falsch? Engine-Problem Berechnungslogik — für Entwickler
Du brauchst keine Programmiererin zu sein, um die Regelkonfiguration zu prüfen. Die Fragen „Ist der Satz korrekt?" und „Gilt er ab dem richtigen Datum?" kannst du stellen, weil du die Personalverrechnung kennst. Ein Entwickler sieht 2.100 € und denkt: technisch gültig. Du siehst es und weißt: das war der Satz von 2025. Das ist Fachwissen — und in der Qualitätssicherung sehr wertvoll.

Denke mal nach: Welche Regeln aus deiner täglichen Arbeit ändern sich jedes Jahr sicher — und welche nur manchmal? Was würde passieren, wenn eine dieser Regeln im System drei Monate zu spät aktiviert wird?

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